TodOpera

Die Bildungsluecke(Une éducation manquée)

1977 (Audio)

Director: Emmerich Smola


Interpretes:
  • Charlotte Lehmann (Gontran)
  • Waltruad Meier (Helene)
  • Jörn Wilsing (Pausanias)

    Archivos para descarga:
    1. http://rapidshare.com/files/100642513/Die_Bildungsluecke.zip


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    Bei der Vorstellung von Chabriers Bühnenwerken gehe ich leicht unchronologisch vor und beginne nicht mit der Opera comique L'ETOILE von 1877 sondern mit seiner zwei Jahre später uraufgeführten einaktigen Operette UNE EDUCATION MANQUEE (bei Wikipedia hat das jemand sehr glücklich mit DIE BILDUNGSLÜCKE übersetzt) sowie den beiden unvollendeten Einaktern, die den beiden Vorgenannten voraus gingen.

    Die Geschichte des sehr hübschen und musikalisch ungemein reizvollen Einakters nach einem Libretto von Eugene Leterrier und Albert Vanloo ist schnell erzählt:

    Sie spielt in einem Wohnzimmer zur Zeit Ludwig XVI vor der Revolution. Der junge Gontran de Bois-Massif (Hosenrolle für Sopran mit dem anzüglichen Namen Massivholz), der von seinem Tutor Pausanias (Bariton) ausgebildet wurde, und die im Kloster erzogene Helene de la Cerisaie (Sopran - kaum weniger anzüglich Helene vom Kirschgarten -?-) - beide Cousin/Cousine - haben gerade geheiratet und wollen die Hochzeitsnacht begehen. Beide haben aber nicht die geringste Ahnung, was sie da zu tun haben, denn nichts, was sie bisher gelernt haben, hat sie darauf vorbereitet. Gontran befragt seinen Erzieher, aber auch der hat keine Ahnung. Er verspricht jedoch, einen Kollegen zu befragen, was da zu tun sei. In seiner Abwesenheit bricht ein schweres Gewitter los, das die beiden veranlasst, aneinander Schutz zu suchen. Während sie sich umarmen und eine neue Qualität ihrer Küsse entdecken, beginnen sich nicht nur ihre ängstlichen Herzen zu regen. Die Natur übernimmt nun das Ausfüllen der Bildungslücke, und als Pausanias zurück kehrt, ist sein Rat überflüssig geworden. Das Paar bittet das Publikum um Verständnis dafür, dass es jetzt allein sein wolle.

    Kann man mit dieser winzigen Anekdote auch nur einen Einakter füllen? Oh ja, man kann, und zwar dank Chabriers bezaubernder Musik sogar einen enorm unterhaltsamen. Man höre nur einmal in die poetisch-beschwingte Ouvertüre hinein. Es folgen ein Couplet von Pausanias, das noch ganz in der Tradition Offenbachs steht und ein weiteres von Gontran, das eine ganz eigene Musiksprache voller unerwarteter Entwicklungen verrät, wie man sie auch aus Chabriers Liedern kennt.

    Das darauf folgende Duett zwischen Gontran und Helene wäre in Berlioz' BEATRICE ET BENEDICT nicht deplatziert, überrascht aber mit einer Orchestersprache, die bereits in die Zukunft weist. Das darauf folgende zweite Coplet Gontrans greift das Motiv der Ouvertüre auf, entwickelt es aber mit fast kühner Chromatik weiter. Das Prachtstück der Operette ist aber das finale Duett zwischen Helene und Gontran, die beieinander vor dem Gewiter Schutz suchen, und dessen Hauptmotiv der erst ängstlich, dann aufgeregt und schließlich begierig flatternden Herzen ebenfalls Eingang in die Ouvertüre gefunden hat. Wagners Motivarbeit hat hier sehr hübsche Folgen gezeitigt und Chabrier beweist, dass diese Technik nicht nur für Monumentalgemälde geeignet ist, sondern auch zu einem beschwingten Walzer führen kann, in dem beide miteinander verschmelzen.

    Ich kenne drei Aufnahmen des Werkes, die man leider alle nur antiquarisch oder auf dem grauen Markt besorgen kann. Die eine ist eine frühe Rundfunkaufnahme einer konzertanten Aufführung von John Eliot Gardiner von 1982 mit Anne-Marie Rodde, Sonia Nighogossian und Maurice Seyes. Sie klingt fast zu monumental (mit donnerndem Gewitter), wurde aber musikalisch sehr sorgfältig realisiert. Allerdings fehlt ihr ein wenig an Gespür für den Witz der Operette - nicht unähnlich Gardiners Aufnahme der LUSTIGE WITWE. Ich habe sie von OperaShare. Sie ist aber auch in der oben erwähnten, teuren Box enthalten, die es bei Kernow Classics gibt.